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Hafenstädte im südlichen Norwegen

Bei der Prüfung der Wetteraussichten für die nächsten Tage sehen wir, dass es auf dem Sognefjell bis zu zwanzig Zentimeter schneien soll und gleichzeitig ein Sturm mit 9 Bft erwartet wird. Also werfen wir spontan unseren bisherigen Plan über den Haufen und machen uns am Pfingstmontag schon recht früh auf den Weg nach Bergen. Im anhaltenden Regen gilt es jetzt etwa 260 Kilometer zurückzulegen, von denen insgesamt sagenhafte 75 Kilometer durch unzählige Tunnel verlaufen. Der im Jahr 2000 fertiggestellte Lærdalstunnel ist dabei mit 24,5 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt. Wir staunen über hunderte Wasserfälle, die ständig links und rechts der Straße, teilweise aus atemberaubender Höhe in die Tiefe rauschen und beeindruckend reißende Flüsse bilden. Wir erreichen Bergen am frühen Nachmittag und parken auf dem Wohnmobilstellplatz an der alten Eissporthalle. 

Norwegen
Bei unserer Fahrt nach Bergen haben wir norwegisches Regenwetter


Vom Platz kommen wir am Dienstag bequem mit der Straßenbahn ins Zentrum von Bergen. Von der Endstation ist es nicht weit zur Fløibahn, einer supersteilen Standseilbahn, die uns in wenigen Minuten zu einem Aussichtspunkt bringt, von dem aus wir einen tollen Blick auf die Stadt und den Hafen haben. Das hilft uns später, uns im Gewirr der Häuser zurechtzufinden. Wir schlendern durch das wunderschöne alte Hanseviertel Bryggen, dessen eng beieinander stehende Gebäude fast ausschließlich aus Holz errichtet wurden. Als die Niederlassung der Hanse hier im 14. Jahrhundert gegründet wurde, blieben die Häuser unbeheizt, wodurch Brände vermieden werden sollten. Trotzdem wurde das gesamte Viertel über die Jahrhunderte mehrfach durch Feuer zerstört und immer wieder neu aufgebaut. Seit 1979 zählt Bryggen zum Weltkulturerbe der UNESCO und gilt als bedeutendste historische Sehenswürdigkeit in Bergen. Entsprechend gut besucht ist das Viertel, durch dessen enge Gassen sich Horden von Passagieren der im Hafen liegenden Kreuzfahrtschiffe wälzen. Wir gönnen uns den Spaß und besuchen das in der Nähe liegende Trollmuseum, in dem wir nicht nur zu Trollexperten ausgebildet werden, sondern uns vor einem großen Spiegel mit Hilfe von KI auch selbst in verschiedene Trolle verwandeln können.

Das Dasein als Troll macht ganz schön hungrig und so passt es ganz gut, dass es vorne am Fischmarkt eine große Auswahl leckerer Gerichte gibt. Wir wandern noch zur Festung Bergenhus, bevor wir uns langsam auf den Rückweg zum Stellplatz machen.

Bryggen, Bergen, Norwegen
Das alte Hanseviertel Bryggen ist die größte Touristenattraktion von Bergen


Norwegen
Schöne Umgebung am aufgegebenen Fähranleger Valevåg

Von Bergen fahren wir in zwei Etappen nach Stavanger, wobei wir unterwegs am aufgegebenen Fähranleger Valevåg übernachten. Seit der Unterseetunnel in der Nähe in Betrieb ist, gibt es hier keine Schiffe mehr und die elf Wartespuren können bequem als Übernachtungsplatz genutzt werden. Ansonsten gibt es dort aber auch gar nichts zu tun.

Vagabund, Norwegen
Vagabund auf den Wartespuren in Valevåg


Stavanger, Norwegen
Stavanger ist eine moderne Großstadt und Zentrum der norwegischen Erdölindustrie

In Stavanger kommen wir am Donnerstag um die Mittagszeit am Campingplatz an und fahren bald mit dem Bus ins Zentrum. Wir erkunden die schöne Innenstadt zu Fuß, wobei uns das Viertel mit den farbenfrohen Fassaden auf Anhieb gut gefällt. Nachdem Touristen in Stavanger vor allem die einzigartige Altstadt mit ihren berühmten weißen Häusern besuchten, kamen sie früher selten in die anderen Stadtteile. Daher entstand die Idee, mit bunten Gebäuden eine weitere Attraktion zu schaffen, was offensichtlich geklappt hat. Natürlich wandern wir auch durch Gamle Stavanger und sind dort von den liebevoll gepflegten weißen Häusern und ihren blühenden Gärten begeistert. Getrübt wird das ganze ein wenig durch ein riesiges, direkt an der Altstadt liegendes Kreuzfahrtschiff, das ständig die Maschine laufen lässt. Wir wollen uns kaum vorstellen, wie das für die Bewohner dieses kleinen Paradieses sein muss, wenn sie in der Saison jeden Tag ein neues Schiff vor der Tür liegen haben und ein paar tausend Passagiere durch ihre schönen Gassen strömen.

Gamle Stavanger, Norwegen
Der Stadtteil Gamle Stavanger besteht aus 173 denkmalgeschützten weißen Gebäuden

Erst am Nachmittag entdecken wir das Erdölmuseum, das aber leider gleich schließen wird, so dass wir uns einen Besuch für morgen vornehmen.

Am Freitag erfahren wir in dem gut gemachten Museum viel über die norwegische Geschichte des Erdöls und was dieser unerwartete Reichtum mit dem Land gemacht hat. Es wird spannend sein zu sehen, wie Norwegen mittelfristig mit der Situation umgeht, dass die Ressourcen irgendwann erschöpft sein werden und dass Öl eine immer geringere Rolle spielen wird.

Erdölmuseum, Stavanger, Norwegen
Das Erdölmuseum in Stavanger erinnert von außen an eine Bohrinsel

Stavanger, Norwegen
Panorama von der Plattform des Erdölmuseums in Stavanger

Nach den Tagen in den zwei großen norwegischen Städten Bergen und Stavanger, in denen die Wohnmobilstellplätze schon jetzt im Mai komplett voll sind, und durch deren sehenswerte Altstädte sich tausende Kreuzfahrer von ihren riesigen Schiffen wälzen, freuen wir uns jetzt darauf, wieder in die sagenhafte Natur des norwegischen Südens zu kommen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ines (Montag, 01 Juni 2026 19:31)

    Mal was anderes, ihr beide als Trolle �
    Sehr schön auch die alten Häuser. Und die Landschaft wie immer �