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Durch die Telemark

Vegglifjell, Norwegen
Am frühen Morgen wandern wir noch einmal auf dem wunderschönen Vegglifjell

Aus dem wunderschönen Hochland des Vegglifjell fahren wir am Dienstag, 23.Juni über gewundene Bergstraßen nach Rjukan. Von dieser kleinen Stadt hatten wir vorher nie gehört, obwohl Rjukan seit 2015 als Teil der Industriedenkmalstätte Rjukan-Notodden bei der UNESCO gelistet ist. Hier wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die damals weltweit größten Wasserkraftwerke errichtet, deren Strom zur Herstellung dringend benötigter Kunstdünger eingesetzt wurde. Auch die in diesem Zusammenhang gebauten Arbeitersiedlungen werden von der UNESCO besonders hervorgehoben. Wir stehen auf einem praktischen Platz nahe dem Zentrum und wandern gemütlich durch den Ort mit seinen vielen farbenfrohen Holzhäusern. Dabei sind wir besonders beeindruckt vom riesigen Wasserkraftwerk Såheim, das seit seinem Bau 1915 bis heute in Betrieb ist und deswegen leider nicht von innen besichtigt werden kann. Da Rjukan in einem tief eingeschnittenen Tal liegt, in das zwischen September und März kein Sonnenstrahl findet, wurde 1928 vom Arbeitgeber eine Seilbahn gebaut, mit der die Menschen im Winterhalbjahr in die Sonne fahren konnten. Die Bahn ist leider seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb. Dafür stehen ganz oben am Berg jetzt drei große Spiegel, die im Winter den Marktplatz der Stadt mit Sonnenlicht versorgen. 

Rjukan, Norwegen
Das Wasserkraftwerk Såheim in Rjukan ist bis heute in Betrieb


Am Mittwoch besuchen wir ganz in der Nähe von Rjukan das ehemalige Wasserkraftwerk Vemork, in dem zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges die weltweit größte Menge an Schwerem Wasser produziert wurde. Da befürchtet wurde, dass die Deutschen das Schwere Wasser zur Herstellung einer Atombombe verwenden würden, wurde mit allen Mitteln versucht, sie daran zu hindern. Mehrere Sabotageakte und Angriffe, die letztendlich zur Zerstörung der Anlage und der Bestände an Schwerem Wasser führten, trugen dazu bei, dass Nazideutschland seine Ziele nicht erreichte. Wir staunen vor allem über die riesige Generatorenhalle, in der einige der gigantischen Maschinen noch immer einsatzbereit wären, während vom Schwerwasserkeller und von den Fertigungsanlagen nur noch Trümmer zu erkennen sind. Nach der Besichtigung, bei der wir viel für uns neues gelernt haben, fahren wir durch die engen Serpentinen der spektakulär steilen Bergstraße Tuddalsvegen bis auf eine Höhe von 1100 Metern, wo wir am Parkplatz der Gaustabanen mit einer sagenhaften Aussicht übernachten. 

Vemork, Norwegen
Die Maschinenhalle des Kraftwerks Vemork

Norwegen
Berglandschaft unterhalb des Gaustatoppen

Gausta, Norwegen
Der Gaustatoppen überragt alle Gipfel der Umgebung um mehr als 500 Meter

Die Gaustabanen, die auf den Berg Gaustatoppen führt, sind dann auch unser nächstes Abenteuer für den Donnerstag. Pünktlich um zehn Uhr fahren wir mit einer elektrischen Bahn auf horizontaler Strecke 850 Meter tief in den Berg hinein, wo wir in eine steile Standseilbahn umsteigen. Diese bringt uns in endlos scheinender Fahrt mit einer Steigung von 80% bis auf eine Höhe von 1800 Metern hinauf. Von der Bergstation, die sich noch immer tief im Fels befindet, gelangen wir durch einen 110 Meter langen Tunnel wieder ins Freie. Und hier erwartet uns eine unbeschreibliche Aussicht. Überwältigt von diesem Panorama bringen wir die restlichen vierzig Höhenmeter auf einer Steintreppe schnell hinter uns und kommen zur großen, ausgesetzten Plattform. Wie aus dem Flugzeug sehen wir auf Berge und Seen der Umgebung, die hunderte Meter unter uns liegen. Der Blick geht in alle Richtungen weit bis zum Horizont, es heißt, dass man von hier oben ein Sechstel von ganz Norwegen sehen kann und wir sind überzeugt davon, dass das nicht übertrieben ist. Wir sehen auch zahlreiche Wanderer, die den steinigen Aufstieg zum Gaustatoppen auf sich nehmen, wie es aussieht, ist das zwar anstrengend, aber wohl nicht besonders schwierig. Doch zumindest eine Strecke sollte man auf jeden Fall mit der einzigartigen Bahn unternehmen, die Fahrt durch den Tunnel ist ein Erlebnis für sich. Die Gaustabanen wurde in den 1950er Jahren gebaut, um den Tourismus am Gaustatoppen zu fördern, sie wurde aber wegen des Kalten Krieges zunächst geheim gehalten und nur durch Militär und Spionagedienste genutzt. Erst im Jahr 2010 wurde die Bahn für den Publikumsverkehr freigegeben und fährt seither regelmäßig zwischen Ende Mai und Oktober. Wir genießen die atemberaubende Aussicht ausgiebig, bevor wir mit der Bahn durch den Berg wieder ins Tal fahren.

Gaustatoppen, Norwegen
Vom Gaustatoppen haben wir einen Blick wie aus dem Flugzeug

Gaustatoppen, Norwegen
Wunderbare Berglandschaft um den Gaustatoppen
Telemark, Norwegen
Am Telemarkkanal

Jetzt geht es durch eine abwechslungsreiche Landschaft bis nach Lunde, wo wir gleich neben der Schleuse am Telemarkkanal auf einem großen Campingplatz für zwei Nächte bleiben. Inzwischen ist es auch in Norwegen mit fast 30°C sehr warm geworden, sodass wir uns meistens im Schatten unserer Markise aufhalten. 

Telemark, Norwegen
Die Lundeschleuse am Telemarkkanal

Telemark, Norwegen
Bootshafen an der Lundeschleuse

Am Samstag füllen wir unsere Bestände im nahegelegenen Supermarkt und kommen danach gerade rechtzeitig zur Vrangfoss Schleuse, um den gesamten Schleusvorgang des historischen Ausflugsschiffs Victoria verfolgen zu können. Über fünf aufeinander folgende Stufen dauert das ganze Schauspiel etwas länger als eine halbe Stunde. Dabei werden sämtliche Klappen und Tore ausschließlich von Hand betätigt. Nach dieser interessanten Einlage fahren wir über schmale und kurvenreiche Bergstraßen der Telemark bis zum traumhaft idyllischen See Vråvatn, an dessen Ufer der liebevoll gepflegte Stellplatz Heglandsodden liegt. 

Vrangfoss, Telemark, Norwegen
Die Schleusenanlage Vrangfoss

Vagabund, Norwegen
Vagabund am Heglandsodden in der Telemark

Norwegen
Sandstrand am Breidflå See

Für den kommenden Dienstag haben wir inzwischen die Fähre von Kristiansand nach Hirtshals in Dänemark gebucht, so gibt es am Sonntag nichts weiteres zu tun, als durch die Telemark nach Süden in Richtung zum Hafen zu fahren. Wir bleiben etwa sechzig Kilometer vor Kristiansand für zwei Nächte an einem tollen Campingplatz, der auf einer schmalen Halbinsel im Breidflå See liegt. Dort gibt es wunderbare Sandstrände und ein riesengroßes Erdbeerfeld, dessen süße Früchte gerade geerntet werden. 

Telemark, Norwegen
Gespiegelte Berge in der Telemark

Telemark, Norwegen
Toller Badestrand auf der Halbinsel im Breidflå See

Am Dienstag fahren wir nach dem Mittagessen zum Fährhafen von Kristiansand und kommen am frühen Abend pünktlich und entspannt im dänischen Hirtshals an. Wenige Kilometer außerhalb des Ortes übernachten wir auf einem geräumigen Parkplatz fast alleine in ruhiger Umgebung. Von hier ist es am Mittwoch nicht weit bis zum Tranum Campingplatz an der Nordseeküste.

Dänemark
Am befahrbaren Ejstrup Strand in Dänemark


In den kommenden Tagen werden wir langsam durch Dänemark wieder nach Hause fahren. Damit endet dieser BLOG durch die Länder des Nordens und wir freuen uns, dass ihr uns wieder so zahlreich begleitet habt.

Wie immer werden wir unsere nächsten Pläne hier veröffentlichen, sobald wir wissen, wohin wir als nächstes fahren wollen.

Karte Skandinavien
Unsere Route durch den Norden

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