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Wasserfälle von Ryfylke bis zur Hardangervidda

Bevor wir am Samstag, 30.Mai Stavanger wieder verlassen, machen wir noch einen Abstecher zu den Svert i Fjell, den Schwertern im Berg, die als Symbol für die nationale Vereinigung Norwegens gelten. An dieser Stelle hat im Jahr 872 die Schlacht am Hafrsfjord stattgefunden, als deren Ergebnis Harald Schönhaar erster König von Norwegen wurde.

Durch den mehr als vierzehn Kilometer langen Ryfylketunnel kommen wir schnurstracks nach Tau, wo wir auf die Landschaftsroute Ryfylke stoßen. Der Ryfylketunnel ist der längste und mit 292 Metern unter dem Meeresspiegel tiefste unterseeische Straßentunnel der Welt. Von Tau folgen wir der ausgeschilderten Landschaftsroute, fahren entlang von tiefen Fjorden, die wir mal über Brücken, mal mit der Fähre überqueren, bis nach Erfjord. Dort stehen wir für die folgende Nacht auf einem sehr schönen privaten Stellplatz direkt am Ufer des gleichnamigen Fjordes. Unterwegs regnet es fast den ganzen Tag, was der großartigen Landschaft um uns herum einen ganz eigenen Zauber bereitet.

Stavanger, Schwerter im Fels, Norwegen
Bei Stavanger stecken drei riesige Schwerter im Fels als Symbol für die nationale Vereinigung Norwegens


Jürgen, Svandalsfossen, Norwegen
Jürgen am Svandalsfossen

Am Sonntag fahren wir bei wechselhaftem Wetter weiter durch den Distrikt Ryfylke mit seiner kontrastreichen Landschaft. Auf oft schmalen Straßen geht es durch hügelige Wälder, an tief eingeschnittenen Fjorden entlang und über felsige, karge Hochebenen. Am eindrucksvollen Wasserfall Svandalsfossen werden wir nicht nur wegen des Regens, sondern vor allem wegen der starken Gischt ziemlich nass, als wir dem ausgebauten Weg entlang des tosenden Wassers folgen. Am frühen Nachmittag kommen wir zur 874 Meter hohen Passhöhe des Saudafjells, dessen ganz eigene Natur uns so in ihren Bann schlägt, dass wir dort die Nacht verbringen. 

Saudafjell, Norwegen
Raue Landschaft auf dem Saudafjell

Saudafjell, Ryfylke Landschaftsroute, Norwegen
Auf dem Saudafjell an der Ryfylke Landschaftsroute

Ryfylke Landschaftsroute, Norwegen
Reste des Winters begleiten uns auf der Ryfylke Landschaftsroute

Vom Saudafjell führt die schmale Bergstraße zwischen üppigen Schneeresten hindurch und an mehreren Seen vorbei, die noch immer mit einer brüchigen Eisschicht bedeckt sind, bis zum Ende der Ryfylke Landschaftsroute am Røldalsfjell. Dort geht unsere Strecke fast nahtlos in die nächste der norwegischen Landschaftsrouten über. Gleich zu Beginn der Hardanger Landschaftsroute kommen wir zum spektakulären Låtefossen, einem tosenden Wasserfall, bei dem sich zwei mächtige Ströme direkt an einer Steinbrücke vereinen, auf der wir bei einer kurzen Wanderung wieder einmal nass werden. Anschließend wird die Route beschaulicher, führt erst am Ufer des Sørfjorden, später am Hardangerfjord entlang durch ausgedehnte Obstplantagen, die aktuell in voller Blüte stehen. Auf der engen Straße kommen wir nur ziemlich langsam voran und sind froh, dass nur selten ein anderes Fahrzeug entgegenkommt. Wir übernachten an einem schönen Parkplatz oberhalb des Hardangerfjord, an dem sich im Laufe des Abends noch drei weitere Wohnmobile einfinden. 

Låtefossen, Wasserfall, Norwegen
Der tosende Låtefossen begeistert uns gleich am Beginn der Landschaftsroute Hardanger

Hardangerfjord, Norwegen
Wolkenstimmung am Hardangerfjord

Hardangerfjord, Norwegen
Blick bei Ålvik über den Hardangerfjord

Nachdem wir am Dienstagvormittag mit der Fähre zum nördlichen Ufer des Hardangerfjord übergesetzt haben, kommen wir schnell zum nächsten Wasserfall dieses Reiseabschnitts. Der außergewöhnliche Steindalsfossen ist mit einer Fallhöhe von fünfzig Metern zwar nicht unter den höchsten des Landes, dafür können wir hinter dem Wasserfall zwischen der Felswand und dem herabstürzenden Wasser hindurch gehen, was ihn zu einem der meistbesuchten Wasserfälle von ganz Norwegen macht. Wir folgen der Hardanger Landschaftsroute bis zu ihrem Ende bei Granvin, wo die Straße in einem langen Tunnel verschwindet und erst nachdem wir in einem unterirdischen Kreisverkehr die Richtung gewechselt haben, direkt bei der Hardangerbrua wieder ans Tageslicht kommt. Die 1380 Meter lange Hardangerbrua über den Eidfjord ist eine der längsten Hängebrücken des Landes, da die Pfeiler wegen der enormen Wassertiefe von über fünfhundert Metern nur an Land gesetzt werden konnten. Auf der Südseite des Eidfjord wollen wir gerne am ehemaligen Fährhafen übernachten, die Wartespuren liegen aber so nah an der gut befahrenen Hauptstraße, dass uns diese Stelle zu unruhig scheint. Wir nutzen die Gelegenheit, das Auto am Fähranleger zu wiegen, kommen dabei auf knapp über 6000 Kilo, und setzen unsere Fahrt in Richtung Hardangervidda fort.

Steinsdalsfossen, Norwegen
Hinter dem Steinsdalsfossen führt ein befestigter Weg hindurch

Wir kommen durch das kleine Städtchen Eidfjord, wo die Landschaftsroute Hardangervidda beginnt. Ab hier windet sich die Strecke wieder hoch in die Berge, führt durch abenteuerlich kurvenreiche Tunnels, die auf der Landkarte fast wie eine Brezel aussehen, und erreicht in 700 Metern Höhe den großen Parkplatz des Vøringsfossen, auf dem wir bequem für die Nacht unterkommen. Sofort machen wir uns auf den Weg zum Wasserfall, der zum Spektakulärsten gehört, was wir bisher gesehen haben. Von unfassbar kühn konstruierten Plattformen haben wir einen schwindelerregenden Blick senkrecht in die Tiefe, wo sich zweihundert Meter unter uns zwei Wasserfälle in einer gigantischen Wolke aus weißer Gischt treffen. Das ganze Gelände ist durch gesicherte Wege, eine abenteuerliche Brücke und zahlreiche Aussichtspunkte so gut erschlossen, dass wir eine lange Zeit damit verbringen, die Wasserfälle aus allen möglichen Perspektiven zu betrachten. 

Vøringsfossen, Norwegen
Der Vøringsfossen ist ein einzigartiges Wasserspektakel

Vøringsfossen, Norwegen
Blick von der Plattform des Vøringsfossen über das Måbøtal

Hardangervidda, Norwegen
Auf der kargen Hochebene des Hardangervidda

Nach einer ruhigen Nacht geht es am Mittwoch quer durch die Hardangervidda, die mit 8000 Quadratkilometern größte Hochebene Europas. Die raue Landschaft ist wieder einmal so faszinierend, dass wir immer wieder anhalten, um neue Eindrücke auf uns wirken zu lassen. Auf dem Weg in Richtung Aurlandsdalen übernachten wir auf einem einfachen Parkplatz in der kargen Landschaft des Urevassbotn. 

Hardangervidda, Norwegen
Die Hardangervidda ist mit 8000 Quadratkilometern die größte Hochebene Europas

Norwegen
Skandinavisches Wetter am Urevassbotn

Die nächsten Tage soll das Wetter sehr regnerisch werden, das wollen wir am Campingplatz in Flåm aussitzen, wo fast täglich ein riesiges Kreuzfahrtschiff vor dem kleinen Ort mit gerade einmal dreihundert Einwohnern liegt. Danach stehen die Hochgebirgsrouten Aurlandsfjellet und Sognefjellet auf unserer Liste, wir freuen uns, wenn ihr weiter mit dabei bleibt. 

Karte Skandinavien
Unsere Route durch den Norden

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Kommentare: 1
  • #1

    Karsten und Elke (Mittwoch, 10 Juni 2026 18:24)

    Einfach toll!
    Wir freuen uns auch schon auf Norwegen!