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Landschaftskino Norwegen - Inhalt |
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| ▶ Landschaftsrouten im südlichen Norwegen | |
| ▶ Durch Helgeland und die Lofoten | |
| ▶ Raue Schönheit der nördlichen Provinzen | |
| ▶ Lange Fahrt durch Lappland in den Süden | |
| ▶ Highlights Polarlichter |
Die weniger bekannte Küste des Helgelands überrascht uns mit einer grandiosen und abwechslungsreichen Landschaft, in der wir mehrere lohnende Wanderungen unternehmen.
Die daran anschließenden Tage auf den Lofoten sind einfach nur traumhaft und im September auch nicht mehr so überlaufen, wie das in der Hochsaison oft der Fall ist.
Themen auf dieser Seite
| Kontrastreiche Helgelandsküste |
Auf der Helgelandskysten bis zum Polarkreis |
| Traumwelt der Lofoten |
Entlang der Gipfel und Strände auf den Lofoten |
| Karte unserer Reise |
Durch Helgeland und die Lofoten |
Von Trondheim fahren wir am Dienstag, den 9. September weiter auf der E6 in nördlicher Richtung. Wegen eines massiven Bergrutsches, der vor einigen Tagen die Hauptstraße und auch die Bahnlinie dieser wichtigsten Nord Süd Verbindung des Landes zerstört hatte, fahren wir eine großräumige Umleitung, die glücklicherweise gut ausgeschildert ist, wenn auch unser Navi mehrmals abweichende Vorschläge berechnet. Nach etwa zwei Stunden kommen wir zum Wasserfall Formofossen, an dem der Fluss Sanddøla tosend über eine Felsstufe nach unten stürzt. Vom Formofossen ist es nicht mehr weit bis zum Campingplatz in Grong, wo wir direkt am Fluss einen schönen Platz finden. Da die Hochsaison inzwischen vorüber ist, hat der Campingplatz komplett auf Selbstbedienung umgestellt, alles ist gut in mehreren Sprachen ausgeschildert und auch der Check-in am Automaten funktioniert kinderleicht, sodass wir gut damit zurechtkommen.
Bald hinter Grong verlassen wir am nächsten Vormittag die E6 und nähern uns auf gut ausgebauten Nebenstraßen wieder der Küste, wo die norwegische Landschaftsroute Helgelandskysten beginnt. Diese führt über schroffe Berge, durch endlose Wälder und die meiste Zeit entlang von Seen oder Fjorden, wir sind von der Schönheit der Landschaft und vor allem von der andauernden Abwechslung mehr als begeistert.
Die Mittagspause verbringen wir kurz hinter der Fähre von Holm nach Vennesund am malerischen Rastplatz Sundshopen, an dem eine 65 Meter lange Steinmole vom Ufer ins Wasser ragt. Von hier geht die Straße fast endlos am Torgfjorden entlang, führt im Städtchen Brønnøysund über eine abenteuerlich geschwungene, hohe Brücke auf die Insel Torget und endet an der Südspitze der Insel unterhalb des Berges Torghatten. Der Torghatten ist 258 Meter hoch und hat in seiner Mitte ein Loch, das 20 Meter breit und 35 Meter hoch ist. Durch dieses Loch führt ein gut gesicherter Wanderweg 160 Meter von der Ostseite des Berges zu seiner Westseite.
Diese insgesamt drei Kilometer lange Wanderung machen wir am Donnerstagvormittag und sind wieder einmal überwältigt von den spektakulären Blicken, die sich von hier oben auf die Inselwelt der norwegischen Küste bieten, ganz besonders aber natürlich von dem einzigartigen Loch durch den Berg.
Nach der Wanderung fahren wir über zwei Fährverbindungen zur Insel Tjøtta und über eine weitere Brücke auf die Nachbarinsel Offersøya, wo wir auf dem Offersøy Camping Helgeland einen tollen Platz direkt am Wasser finden. Die Aussicht von hier ist atemberaubend, vor allem im Licht der Abendsonne. Für den Freitag empfiehlt der sehr freundliche Betreiber des Campingplatzes eine Wanderung in der Nähe, zu der wir uns am frühen Nachmittag bei bewölktem Himmel aufmachen. Wir sind kaum einen Kilometer weit gekommen, da beginnt es ganz leicht zu regnen, doch die hervorragende norwegische Wetter-App YR verspricht, dass der Regen nicht lange anhalten wird. Im lichten Wald versuchen wir von ein paar Tannenbäumen etwas Schutz zu bekommen, glücklicherweise hört der Regen aber nach wenigen Minuten tatsächlich auf und wir können bei zunehmend sonnigem Wetter weitergehen. Wir kommen in eine wunderschöne Heidelandschaft, die sich über einige felsige Hügel erstreckt, von denen wir einen tollen Blick auf die Fjorde links und rechts von uns haben. Der ganze Weg ist durchgängig mit kleinen Steinpyramiden markiert, die nicht immer auf Anhieb zu finden sind, manchmal führen schmale Holzbohlen über sumpfige Flächen. Die Felsen sind oft mit einer dicken Moosschicht bedeckt, die trotz des vorherigen Regens völlig trocken ist und die uns zu einer bequemen Rast einlädt. Nach zwei Stunden und sagenhaften vierundvierzig Höhenmetern, bei denen wir immerhin den höchsten Punkt der Insel Offersøya erklimmen, kommen wir mehr als happy zurück zum Wohnmobil.
Der Samstag ist ein Regentag, was hier heißt, dass es den ganzen Tag über immer wieder regnet und wir dazwischen sonnige Abschnitte haben. Wir fahren entlang der Helgelandskysten Landschaftsroute von der Insel Offersøya bis wir kurz vor dem Rastplatz Hellåga zu einem idealen Parkplatz für Wohnmobile kommen, auf dem wir schön übernachten können. Vom Parkplatz führt eine markierte Wanderung in die Berge, die wir uns für morgen bei hoffentlich sonnigem Wetter vornehmen. Heute nutzen wir eine Regenpause, um den Anfang des Weges zu finden, kehren aber nach wenigen hundert Metern um, was wir bisher gesehen haben, reicht aus, unsere Vorfreude auf eine schöne Tour zu steigern. Den Sonntag lassen wir ganz gemütlich angehen und warten nach einem kräftigen Frühstück bis gegen 10:00 Uhr die Sonne herauskommt. Auf durch Steinpyramiden gut markiertem, aber recht unwegsamem und steilem Pfad steigen wir über rundgeschliffene Felsen und an funkelnden Tümpeln vorbei nach oben. Mit jedem Meter wird die Aussicht auf den Fjord besser, bis wir nach etwa 150 Höhenmetern die kleine Schutzhütte Tortenkøta erreichen, die der Umkehrpunkt dieser Wanderung ist. Man könnte zwar von hier noch weiter bis zum Gipfel auf über 1000 Meter Höhe, doch dann wird es eine alpine Ganztageswanderung. Wir sind von der wilden Landschaft begeistert und kommen nach zwei Stunden zurück zum Parkplatz.
Bei der Weiterfahrt halten wir an verschiedenen Aussichtspunkten mit weiteren tollen Blicken in die grandiose Berglandschaft. Am Rastplatz Grønsvik kystfort gibt es Reste des 1942 von der deutschen Wehrmacht angelegten Atlantikwalls zu sehen, der sich von Spanien bis hierher in den hohen Norden erstreckt hat. Nach einigen weiteren Kilometern kommen wir am Polar Camp an, wo wir vom Betreiber sehr herzlich begrüßt werden. Wir stehen oberhalb eines winzigen Hafens und haben einmal mehr eine traumhafte Aussicht über den Fjord und in die gegenüberliegenden Berge.
Und dann das noch! Am Nachmittag des 14. September zeigt die App, dass in der kommenden Nacht mit Polarlichtern gerechnet werden darf. Also werden Kamera und Stativ vorbereitet, diesmal möchte ich das Superweitwinkel Objektiv mit 14 mm einsetzen, wodurch sowohl ausreichend Vordergrund als auch viel Himmel aufs Bild kommen soll. Der Zeitpunkt für die erwarteten Polarlichter verschiebt sich ständig von erst 21:00 Uhr auf 23:00 Uhr und dann auf 4:00 Uhr am nächsten Morgen. Gleichzeitig nimmt die Bewölkung leider immer mehr zu, sodass wir am Ende wohl keinen freien Blick in den Himmel haben werden. Um 3:00 Uhr ist es so weit, die App verspricht eine Wahrscheinlichkeit für Polarlichter von 77%, die in der nächsten halben Stunde bis auf 97% zunehmen soll. Zum Glück ist es mit 13°C Außentemperatur nicht zu kalt und wir können bis gegen 5:00 Uhr ein eindrucksvolles Schauspiel am Himmel beobachten, das wegen der Wolken für die Kamera nicht ganz optimal ist. Auf jeden Fall ist es ein weiteres tolles Erlebnis dieser Reise in den Norden.
Nachdem wir am Dienstag das Polar Camp verlassen haben, überqueren wir mit der Fähre von Kilboghamn nach Jektvik den Polarkreis. Ab hier befinden wir uns in der Arktis und haben wieder einmal eine atemberaubende Landschaft mit steilen Bergen und tief eingeschnittenen Fjorden. Schon wenige Kilometer hinter dem Fährhafen von Jektvik kommen wir an unser heutiges Tagesziel. Neben der kaum befahrenen Straße liegt ein super schöner Rastplatz mit überdachten Picknicktischen und einem phantastischen Blick auf den Tjongsfjord.
In der Nacht beginnt es zu regnen und es regnet fast den ganzen Mittwoch weiter. Trotz des nassen Wetters und tief hängender Wolken ist die heutige Fahrt entlang der Fjorde im nördlichen Helgeland wieder sehr beeindruckend. Die herbstliche Stimmung hat ihren ganz besonderen Reiz. Einmal werden wir nass, als wir in einem der wenigen Supermärkte an der Strecke einkaufen gehen, ansonsten versuchen wir die seltenen Regenpausen zu nutzen, um das Wohnmobil zu verlassen. Am Nachmittag kommen wir zum Campingplatz am Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom weltweit. Bei Flut strömen hier vierhundert Milliarden Liter Wasser durch einen nur 150 Meter breiten Kanal in den Fjord und bei Ebbe wieder zurück ins Meer. Bei einem kurzen Spaziergang beobachten wir die durch die starke Strömung entstehenden Strudel, die ganz schön bedrohlich wirken, auch wenn wir vielleicht etwas mehr Spektakel erwartet haben.
Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage auf den Lofoten immer wieder Sonnenschein voraus, weshalb wir beschließen, gleich morgen mit der Fähre von Bodø nach Moskenes zu reisen. Täglich fahren auf dieser Strecke zwei Schiffe, eines um 16:45 Uhr und das nächste in der Nacht um 1:00 Uhr, wobei die Fahrt am nächsten Nachmittag schon zur Hälfte ausgebucht ist und dafür keine weiteren Reservierungen angenommen werden. Die restlichen 50% werden beim Boarding aus den Wartespuren aufgefüllt. So verlieren wir am Donnerstag nicht viel Zeit, füllen auf der Fahrt nach Bodø sämtliche Vorräte auf und stehen bereits um die Mittagszeit am Hafen. Unsere Position ist an zweiter Stelle in der zweiten Spur für Fahrzeuge ohne Reservierung und damit recht vielversprechend. Während der Wartezeit, die sich ziemlich lange hinzieht, füllen sich noch zwei weitere Spuren, die am Ende alle Platz auf der Fähre finden. Das Schiff legt pünktlich ab und bringt uns über sehr ruhiges Meer bis kurz vor 20:00 Uhr auf die Lofoteninsel Moskensøya. Während der Überfahrt wachsen direkt vor uns die gewaltigen Berge der Lofoten aus dem Meer, was am Schluss durch einen schönen Sonnenuntergang gekrönt wird. In Moskenes kommen wir erst nach Anbruch der Dunkelheit an und fahren gleich zur kleinen Siedlung Å, bei der die Europastraße E10 direkt nach einem Tunnel in einem großen Parkplatz endet. Dort übernachten wir einigermaßen schräg und ungestört, auch wenn man wegen des großen Ansturms in der Hochsaison eigentlich nur sechs Stunden stehen darf.
Am Freitagvormittag wandern wir bei strahlendem Sonnenschein auf den wunderschönen Klippen der westlichen Lofoten und durch das Dorf Å, das uns mit seinen roten Häuschen wie aus dem Bilderbuch total begeistert. Der überwiegende Teil von Å gehört der Familie Larsen, die hauptsächlich vom Tourismus und dem im Sommer auf großen Gestellen getrockneten Stockfisch lebt.
Schon bald geht es für uns weiter durch die traumhafte Landschaft der Lofoten, die auch jetzt Mitte September von unzähligen Touristen aus aller Welt gut besucht ist. Nach einigen Fotostopps an wunderschönen Aussichtspunkten kommen wir auf der Insel Vestvågøy zum Vik Strand, einem leuchtend weißen Sandstrand zwischen steilen Bergen. An den Strand grenzt eine naturbelassene Wiese, deren Besitzer es Wohnmobilisten erlaubt, diesen traumhaften Platz zum Übernachten zu nutzen. Wir verbringen einen himmlischen Nachmittag am Strand und schlafen bei sehr angenehmem Brandungsrauschen des Meeres in der folgenden Nacht besonders gut.
Wir verlassen den Traumstrand bei Vik am Samstag erst um 11:00 Uhr und folgen weiter der Landschaftsroute Lofoten mit ihren phantastischen Rastplätzen, von denen wir immer wieder einen tollen Blick in die einmalige Landschaft haben. Schon vor 14:00 Uhr sind wir an unserem Tagesziel, dem Campingplatz Sildpollnes Sjøcamp, der auf einer zauberhaften Halbinsel im 13 Kilometer langen Austnesfjord liegt. Obwohl eigentlich dichte Wolken vorhergesagt sind, können wir den Nachmittag bei schönstem Sonnenschein teilweise draußen verbringen und die Berglandschaft mit der bei vielen Fotografen beliebten weißen Kirche Sildpollnes Kirke bewundern.
In Sildpollnes bleiben wir für einen geruhsamen Sonntag, um unsere weitere Reise zu planen, die wir über die Inseln Andøya und Senja in nördlicher Richtung fortsetzen wollen. Mit Erschrecken stellen wir dabei fest, dass die Fähre zwischen den Inseln Andøya und Senja nur noch bis einschließlich kommenden Dienstag in Betrieb ist und dann bis Mai 2026 in die Winterpause geht. Da wir gerne die beiden Landschaftsrouten dieser zwei Inseln fahren möchten, müssen wir uns ein bisschen beeilen, um das letzte Schiff der Saison am 23. September noch zu erwischen.