|
Landschaftskino Norwegen - Inhalt |
|
| ▶ Landschaftsrouten im südlichen Norwegen | |
| ▶ Durch Helgeland und die Lofoten | |
| ▶ Raue Schönheit der nördlichen Provinzen | |
| ▶ Lange Fahrt durch Lappland in den Süden | |
| ▶ Highlights Polarlichter |
Dieser Abschnitt der Reise ganz im Norden von Norwegen beschert uns eine großartige Natur einschließlich einem traumhaften Besuch des Nordkaps bei idealen Wetterbedingungen. Hier erleben wir auch mehrere Nächte mit bunten Polarlichtern, die über einen klaren Himmel tanzen.
Themen auf dieser Seite
| Zauberhafte Inseln Andøya und Senja |
Auf den abgelegenen Inseln Andøya und Senja |
| Tromsø - das Tor zum Eismeer |
Lebhafte Großstadt im arktischen Norden |
| Fjorde um das Nordkap |
Durch die nördlichen Fjorde bis zum Nordkap |
| Varanger - Halbinsel in der Barentssee |
Zum einsamen Fischerdorf Hamningberg am Ende der Welt |
| Karte unserer Reise |
Raue Schönheit der nördlichen Provinzen |
So ziehen wir am Montag zeitig los und fahren bei oft starkem Regen und stürmischem Wind aus den Lofoten heraus auf die Inselgruppe der Vesterålen bis in den Süden der Insel Andøya. Wir stellen uns an der Westküste auf einen einfachen Rastplatz neben der kaum befahrenen Straße, wo rechts von uns steile Berge mehrere hundert Meter in den Himmel ragen und auf der linken Seite das sturmgepeitschte Meer tost. Hier gibt es nichts zu tun, als die raue Landschaft auf uns wirken zu lassen. Wir gehen kurz zum weißen Sandstrand, der aber bei Temperaturen um 5°C und starkem Wind nicht zu längerem Verweilen einlädt. Für die Nacht stehen die Chancen auf Polarlichter nach Angaben der App wieder recht gut, sie kommen aber nicht. Dafür kommen immer wieder kräftige Schauer, die sich mit ruhigen Phasen ablösen.
Am Dienstag haben wir viel Zeit und fahren gemütlich die vierzig Kilometer entlang der Küste in Richtung Andenes, von wo um 17:00 Uhr die Fähre gehen wird. Auf dem Rastplatz Bukkekjerka werfen wir einen Blick in die abgefahrenste Toilette von Norwegen. Durch eine komplett verglaste Wand kann man dort während des Geschäftes die tolle Küstenlandschaft bewundern, ohne dass man von außen gesehen wird. Bei sehr wechselhaftem Wetter fahren wir durch die karge Natur, die sich immer mehr zur baumlosen Tundra entwickelt und erreichen Andenes um die Mittagszeit. Am Stadtrand versorgen wir uns mit allem, was wir in den kommenden Tagen benötigen und stehen schon kurz nach 13:00 Uhr am Hafen. Während der Wartezeit gibt es leckere Nudeln mit Champignons aus der Bordküche, danach wird gestrickt und gelesen bis wir kurz vor 17:00 Uhr auf die Fähre können. Wegen des stürmischen Windes und des entsprechend starken Seegangs werden wir schon vor der Abfahrt von einem Mitarbeiter der Fährgesellschaft gebeten, an Bord die Handbremse des Autos gut anzuziehen, uns in die Cafeteria zu setzen und nicht nach draußen zu gehen. So schaukeln wir dann eineinhalb Stunden ziemlich unangenehm von der Insel Andøya zur Insel Senja, die uns mit in den Abendhimmel ragenden schneebedeckten Bergen begrüßt. Über eine kurze Passstrasse kommen wir bei einsetzender Dunkelheit zu unserem Tagesziel, dem modernen und großzügigen Stellplatz Senja by Heart in Torsken.
Dort bleiben wir für drei Nächte stehen, während Böen mit Windstärken bis zu 9 Bft und heftige Regenschauer über uns hinweg ziehen. Wir nutzen ausgiebig die vom Platz angebotene Waschmaschine und Trockner und verbringen den Rest der Zeit mit Handarbeiten, Büro und Lesen. Am Mittwochabend gehen wir im angegliederten Restaurant Senja By Heart erstklassige Fischgerichte essen, für die die norwegische Atlantikküste ja bekannt ist.
Trotz weiter anhaltendem starkem Regen fahren wir am Freitag einige Kilometer weiter entlang der Küste der Insel Senja, von der wir bei diesem Wetter nicht viel zu sehen bekommen. Im Gegensatz zu den Tagen zuvor regnet es heute stundenlang am Stück ohne Pause durch. Wir stellen uns auf den Wohnmobilstellplatz Trollpark, trauen uns aber erst mal nicht aus unserer guten warmen Stube. Später hört der Regen auf und erlaubt einen kurzen Spaziergang oberhalb der Küste und zwischen den Trollen. Wir treffen einen Einheimischen, der uns erzählt, dass er als Kind jeden Tag mit dem Ruderboot zur Schule auf die andere Seite des Fjordes gebracht wurde. Das klingt zwar wild romantisch, war aber bestimmt nicht immer das große Vergnügen.
Am Samstag ist endlich wieder sonniges Wetter, das uns die Landschaftsroute Senja in einem wunderbaren Licht erleben lässt. Wir fahren durch herbstlich gelb leuchtende Wälder, zwischen hohen Gipfeln hindurch und immer wieder entlang der Küste von tief eingeschnittenen Fjorden. Am Ende der ausgeschilderten Landschaftsroute kommen wir zum Campingplatz Fjordbotn, wo wir einmal mehr in traumhafter Lage direkt am Wasser stehen.
Kaum habe ich am Samstagabend den Blogbeitrag für die vergangenen Tage fertiggestellt und alles weggepackt, da meldet die Polarlicht App, dass möglicherweise Polarlichter in der nächsten Stunde zu sehen sein werden. Zwar liegt die Wahrscheinlichkeit bei gerade einmal 35%, dafür haben wir heute einen sternenklaren Himmel, der sich für eine Sichtung natürlich besonders gut eignet. Ist es Wunschdenken oder Realität? Beim Blick aus dem Heckfenster habe ich den Eindruck, dass ein eigenartiges Leuchten am Himmel zu sehen ist. Also werden Kamera und Stativ vorbereitet und ich unternehme kurz nach 23:00 Uhr einen Versuch, etwas von dem Licht einzufangen. Als Objektiv wähle ich wieder das 14 mm Weitwinkel, gehe auf Blende 11 und stelle die Empfindlichkeit auf ISO 1600. Die Belichtungszeiten werden immer wieder angepasst und liegen alle zwischen einer und zwei Minuten.
Wir lassen uns etwa eine Stunde lang von den bunten, über den Nachthimmel tanzenden Lichtern begeistern, die sich zum Teil im stillen Wasser des Fjordes spiegeln.
Nachdem wir in unserer letzten Nacht auf der Insel Senja das Glück hatten, am Himmel traumhafte Polarlichter zu bestaunen, fahren wir am Sonntag weiter nach Tromsø. Dort stehen wir bequem und sicher auf dem Campingplatz am Stadtrand und marschieren am Nachmittag über die tausend Meter lange und 36 Meter hohe Tromsøbrua in die Innenstadt. Wir kommen am zentralen Bootshafen vorbei, von dem ich 2006 mit der Pagan nach Svalbard gesegelt bin, und erreichen die Haupteinkaufsstraße, in der auch heute viele Geschäfte geöffnet haben. In einem großen Laden gönnen wir uns einige Souvenirs für diese Reise durch Norwegen und wandern wieder zurück zu unserem Vagabund.
Wir nutzen die Gelegenheit der großen Stadt, um am Montag einzukaufen, bevor wir die recht lange Reise in Richtung Havøysund antreten. Dort erwartet uns die nächste der norwegischen Landschaftsrouten, die immer durch besonders sehenswerte Gegenden führen. Die abwechslungsreiche Fahrt geht überwiegend auf der Europastraße E6, auf der wir gut vorankommen und unseren Übernachtungsplatz am Burfjord nachmittags erreichen. Bei dem Stellplatz handelt es sich um einen großen geschotterten Parkplatz, auf dem wir nur wenige Meter vom spiegelglatten Wasser des Fjordes mit entsprechend toller Aussicht stehen.
Hier am Burfjord kündigt die App für den Abend Polarlichter an, die gerade dann einsetzen, als es über den Bergen dunkel wird. Während wir die Nordlichter beobachten, ziehen immer mehr Wolken auf und verdecken langsam den Blick auf das bunte Schauspiel am Nachthimmel. Es ist schon interessant, wie unterschiedlich sich die Polarlichter von Mal zu Mal entwickeln, so lohnt es sich für uns immer wieder, bei Nacht und Kälte nach draußen zu gehen und über das farbige Spektakel am Himmel zu staunen.
Weiter geht es am Dienstag bei wechselhaftem Wetter durch die nördliche Taiga bis zum Beginn der Landschaftsroute Havøysund, wo wir gleich am ersten Rastplatz, einem einfachen Parkplatz ohne Einrichtungen, übernachten. Unser Plan ist, dass wir den schönsten Abschnitt der Route morgen bei sonnigem und trockenem Wetter in Angriff nehmen.
Diese Idee geht fast auf, am Mittwoch ist es tatsächlich niederschlagsfrei und die Wolkendecke reißt immer mehr auf. Wir fahren zu mehreren tollen Aussichtspunkten, an Fjorden entlang und über dramatische Hochebenen bis nach Havøysund, wo die Straße an einem Fischereihafen endet. Der Ort liegt idyllisch auf einer Insel und bietet für uns Wohnmobilisten eine Einkaufsmöglichkeit und vor allem eine gute Entsorgungsstation mit Bodeneinlass. Nach einem kurzen Rundgang durch Havøysund fahren wir wieder zurück bis zum Lillefjord, wo wir bei schönem Wetter zum eindrucksvollen Wasserfall in der Nähe der Landschaftsroute wandern. Unterwegs beobachten wir eine große Herde Rentiere, die in den kargen Hügeln nach Futter suchen. Den Rest des Tages nutzen wir, um noch einige Kilometer in Richtung Nordkap gut zu machen. Wir übernachten an einem ganz neuen, modernen Stellplatz, hundert Kilometer vor dem Kap, wo uns in der Nacht ein böiger Wind überrascht. Ein für uns neues, klapperndes Geräusch vom Dach weckt uns immer wieder auf und sorgt dafür, dass wir am Donnerstag sehr zeitig aufstehen und noch vor dem Frühstück mit der Leiter aufs Dach steigen. Der Übeltäter ist schnell gefunden, die Reling hat sich ein wenig gelöst und muss wieder fixiert werden. Da die vorhandene Schraube die Mitarbeit verweigert, hilft ein Stück stabiles Klebeband und das Problem ist vorläufig gelöst.
Die anschließende Fahrt bis zum Nordkap begeistert uns total. Nicht nur, dass die Straße toll ausgebaut ist und heute unerwartet wenig Verkehr herrscht, führt die ganze Strecke durch eine atemberaubende Landschaft. Häufig geht es am wunderbar blauen Meer entlang, mehrmals kommen wir über steile Pässe und dazwischen immer wieder durch endlose karge Ebenen, bis wir am Ende der Straße den Parkplatz am Nordkap erreichen. Auch dort ist heute recht wenig Betrieb, sodass wir den berühmten Globus vorne auf der Klippe bei schönstem Sonnenschein und eiskaltem Wind ganz für uns alleine haben. Erst als wir uns gerade auf den Rückweg machen kommen vier Reisebusse der Hurtigruten und bereiten der Ruhe, die wir genießen konnten, sicherlich ein Ende.
Wir fahren noch zweihundert Kilometer bis hinter Lakselv, wo wir auf einem naturbelassenen Stellplatz direkt am Porsangerfjord übernachten.
In der Nacht gibt es wieder mystische bunte Polarlichter am Himmel. Bei teilweise stürmischem Wind ist es diesmal ziemlich kalt draußen und es ist am besten, sich immer im Windschatten des Wohnmobils aufzuhalten. Als Entschädigung dafür sind die Lichter heute schön farbig und ziemlich lebhaft.
Den Stellplatz bei Lakselv verlassen wir am Freitag, 3.Oktober schon ziemlich früh und fahren durch die tolle Gebirgslandschaft etwa 270 Kilometer bis Vadsø am Varangerfjord. Hier übernachten wir am Ortsrand auf einem großen Schotterplatz direkt am Wasser.
Der Samstag beginnt mit ein paar Wolken am Himmel, wird aber bald sonnig und passt so ideal zu der atemberaubend schönen Landschaft, durch die wir heute auf der Landschaftsroute Varanger fahren. Ganz besonders zwischen Vardø, der östlichsten Gemeinde Norwegens, und Hamningberg führt die schmale Straße zwischen bizarren Felsformationen hindurch und bietet spektakuläre Blicke auf die sturmgepeitschte Barentssee. Bei Hamningberg, wo die Straße endgültig am Eismeer endet, bleiben wir auf dem neu gebauten Stellplatz, von dem aus wir eine schöne Wanderung durch den Ort und zur Hamningberg Batterie machen. Selbst hier, an einem so friedlichen und abgelegenen Ort, finden wir Überreste einer deutschen Befestigungsanlage aus dem Zweiten Weltkrieg. Nicht nur für uns ist es der östlichste Punkt der Reise, es ist zur Zeit auch der am weitesten im Osten liegende, frei erreichbare Ort in Europa.
Am Abend sind wir wieder einmal fasziniert von farbenfrohen Polarlichtern, die dieses Mal mit einem tief stehenden, fast vollen Mond um die Wette leuchten.
Das grüne Leuchten beginnt um acht Uhr abends, als am westlichen Himmel noch Reste eines roten Sonnenuntergangs zu sehen sind. Bald darauf tanzen die Polarlichter rund um uns herum, so dass wir vor lauter Begeisterung oft nicht wissen, in welche Richtung wir schauen sollen.
Auch heute kommt für die Polarlichter das Weitwinkelobjektiv mit Blende 11 zum Einsatz. Da das Leuchten diesmal recht hell ist, wähle ich eine Empfindlichkeit von ISO 800 und eine Belichtungszeit von 60 Sekunden.
Auch der Sonntag ist noch einmal sehr sonnig, was die Fahrt zurück über Vadsø und entlang des Varangerfjord zu einem weiteren phantastischen Landschaftserlebnis macht. Etwa fünfzig Kilometer vor Kirkenes übernachten wir auf einem großen Parkplatz in der Nähe von tosenden Stromschnellen, an denen wohl in den Sommermonaten tausende Lachse flussaufwärts springen. Davon ist heute natürlich nichts zu sehen.
Wir stellen fest, dass unser rechter Vorderreifen nun doch sehr viel von seinem Profil verloren hat und ersetzt werden muss. In Kirkenes finden wir eine Werkstatt, die die passenden Reifen zwar nicht vorrätig hat, uns dafür aber das Ersatzrad wechselt, sodass wir auf jeden Fall sicher weiterfahren können. Alle anderen Reifen sehen auch nach knapp 80.000 Kilometern noch so gut aus, dass selbst winterliche Verhältnisse kein Problem sein sollten. Daneben finden wir eine Werkstatt, in der wir zwei Liter Flüssigkeit für unsere Heizungsanlage erstehen, diese war inzwischen unter das Minimum abgesunken. Nachdem alles wieder in Ordnung ist, werfen wir noch einen Blick auf Kirkenes, das gerade einmal zehn Kilometer vor der russischen Grenze liegt, und machen uns dann auf den Weg in den Süden nach Finnland.