Ein Sommer im Norden

Karte Skandinavien
Skandinavien - Unsere gefahrene Route

Kontraste im Süden von Schweden und Norwegen

In den Mienen von Folldal, Røros und Kongsberg erfahren wir viel Interessantes zum norwegischen Bergbau vergangener Zeiten. In Oslo genießen wir die Betriebsamkeit der Großstadt und immer wieder staunen wir über die unendliche Weite der Hochebenen in Schweden und Norwegen. Ergänzt wird dieser Abschnitt unserer Reise durch die historischen Stätten um Rjukan und am Telemarkkanal


Themen auf dieser Seite

Historischer Bergbau im Trøndelag

Kupferbergwerk Folldal und farbenfrohe Holzhäuser in Røros

Flatruet im schwedischen Jämtland

Endlose Hochebene an Schwedens höchster Bergstraße und dichte Wälder im Jämtland

In die norwegische Hauptstadt Oslo

Schöne Stellplätze im Grünen und lebendige Metropole

Über Kongsberg zum Vegglifjell

Skurrile Skulpturen, ein Silberbergwerk und das wunderbare Vegglifjell

Durch die Telemark

Wasserkraftwerke in Rjukan, phantastische Aussicht vom Gausta und die einzigartige Vrangfoss Schleuse

Heimreise

Über Kristiansand und Dänemark nach Hause

Karte unserer Reise

Kontraste im Süden von Schweden und Norwegen



Historischer Bergbau im Trøndelag

Fplldal, Norwegen
Blick über die Anlage des Bergwerks im norwegischen Folldal

Der Dienstag begrüßt uns mit dichtem Nebel, der auf der Hochebene des Rondane Nationalparks liegt und ihr eine fast mystische Stimmung verleiht. Wir folgen der Landschaftsroute bis nach Folldal, wo ein Schild darauf hinweist, dass die Bergbaugrube, die wir gerne sehen möchten, ab zwölf Uhr geöffnet sein wird. Jetzt ist es gerade elf, so lange können wir warten. Wir spazieren kreuz und quer zwischen den historischen Hütten herum und fragen pünktlich um zwölf Uhr im Café, wann denn die Grubenbahn heute fahren wird. Leider nimmt diese ihren Betrieb für die Saison erst in der nächsten Woche auf, da sind wir natürlich nicht mehr hier. Dafür riecht es im Café dermaßen lecker nach frischem Gebäck, dass wir uns zur Entschädigung für die entgangene Fahrt mit der Grubenbahn warme Zimtschnecken mit Kaffee gönnen. Wir trödeln lange mit den wirklich toll schmeckenden Schnecken herum, bis schließlich kurz vor ein Uhr die Betreiberin zu unserem Tisch kommt und erklärt, dass für 14:00 Uhr eine Gruppe zur Besichtigung angemeldet sei und wir bei denen gerne als zusätzliche Gäste teilnehmen können. Diese Chance lassen wir uns nicht entgehen, kaufen sofort die entsprechenden Tickets und warten gespannt und gut gelaunt eine weitere Stunde. Der Bus kommt pünktlich mit etwa zwanzig Veteranen des norwegischen Militärs, die für den Besuch in der Miene in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Wir dürfen uns der ersten Gruppe anschließen und rumpeln bald mit dem rustikalen Bähnchen sechshundert Meter tief in das ehemalige Bergwerk. Der Schacht ist so eng, dass wir vor der Abfahrt darauf hingewiesen werden, uns auf keinen Fall nach außen zu beugen, um Verletzungen zu vermeiden. Wir kommen zu einem großen Raum, aus dem früher ein Aufzug 450 Meter in die Tiefe zu den Erzlagerstätten führte. Heute wird die Höhle gerne für Partys und Veranstaltungen genutzt. Hier erfahren wir von unserem Guide viel über die Geschichte des Kupferbergbaus in Folldal, bevor es mit der Grubenbahn wieder zurück ans Tageslicht geht. Einige Kilometer weiter östlich finden wir einen ruhigen Platz am Fluss, an dem wir die nächste Nacht bei starkem Regen verbringen.

Folldal, Norwegen
Das historische Bergwerk in Folldal ist heute ein Museum

Bei sehr wechselhaftem Wetter fahren wir am Mittwoch durch die grünen Täler von Trøndelag, bis wir etwa fünfzig Kilometer vor Trondheim auf eine unbefestigte Privatstraße abbiegen. Die 80 Kronen Maut können wir ganz einfach online bezahlen, ähnlich wie das auch schon beim Tindevegen funktioniert hat. Nach kurzer Fahrstrecke kommen wir im dichten Wald zu einer großen Lichtung, auf der wir in ungestörter Ruhe übernachten können. Als wir am Abend die Straße entlang wandern, werden wir durch einen plötzlichen Schauer so richtig nass, da sind wir froh, dass es mit 10°C nicht wirklich kalt ist und dass wir es nicht weit zum Wohnmobil haben. 

Am Donnerstagvormittag folgen wir der Mautstraße durch den Wald, die uns in einer weiten Schleife wieder zurück zum Anfangspunkt führt. Danach fahren wir das Tal des Flusses Gaula hinauf, bis wir bei Haltdalen den kleinen, von einem Niederländer geführten Saga Campingplatz erreichen. Dort stehen wir auf einer gepflegten Wiese mit viel Platz und genießen die Nachmittagssonne in unseren Liegestühlen.

Norwegen
Holzhäuschen am Saga Camp in Trøndelag

Norwegen
Spiegelnder Bergsee im Trøndelag
Røros, Norwegen
Die Bergstadt Røros gehört seit 1980 zum Welterbe der UNESCO

Die Stadt Røros hatten wir zwar schon auf unserer Straßenkarte gesehen, wussten aber nicht, dass sie zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, bevor wir uns am Freitagvormittag auf den Weg dorthin machen. In Røros wurde im 17. Jahrhundert Kupfer gefunden, was zu einem schnellen Aufstieg der Stadt führte. Bis heute ist das Stadtbild mit seinen farbenfrohen Holzhäusern sehr gut erhalten und begeistert uns total, die Stadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wir wandern ausgiebig durch die Gassen und machen uns dann auf den Weg nach Schweden.

Røros, Norwegen
Gut erhaltene Holzhäuschen mit Grasdach in Røros


Flatruet im schwedischen Jämtland

Der Flatruetvägen führt als unbefestigte Bergstraße von Funäsdalen nach Ljungdalen und ist mit 975 Metern Schwedens höchste Passstraße . Am höchsten Punkt der Schotterstraße bleiben wir auf einer endlosen Ebene mit phantastischer Aussicht in alle Richtungen für die Nacht stehen. Vom Parkplatz, an dem beidseits der Straße viele Wohnmobile bequem Platz finden, unternehmen wir einige Wanderungen in verschiedene Richtungen, wobei uns vor allem die immer wieder wechselnden Lichtverhältnisse begeistern. Als wir versuchen, quer durchs Gelände auf einen der umliegenden Gipfel zuzugehen, bleiben wir bald in tückischem morastigen Gelände stecken und haben alle Mühe, wieder auf trockenen und festen Boden zurückzukommen.

Flatruetvägen, Schweden
Auf der kargen Hochebene des Flatruetvägen

Flatruetvägen, Schweden
Stimmungsvolle Wolken über der Hochebene des Flatruetvägen
Flatruetvägen, Schweden, Jürgen
Jürgen bei der Frühwanderung auf der Hochebene

Von der Hochebene kommen wir am Samstag auf der Schotterpiste zügig nach Ljungdalen und dann durch ein wunderschönes Tal, immer wieder an tiefblauen Seen entlang, bis nach Börtnan, wo eine weitere unbefestigte Straße nach Norden abzweigt. Nach elf recht hoppeligen Kilometern sind wir am frühen Nachmittag an unserem Tagesziel, dem von einem deutschen Pärchen geführten Camp Galå Fjällgård. Dort dürfen wir, wie es im Herkunftsland der Besitzer üblich ist, ein ordentlich gestaltetes Formular ausfüllen und werden mit den sehr detaillierten Regeln des Anwesens bekannt gemacht. Abgesehen davon liegt der sehr gepflegte Platz inmitten eines fast endlosen Fichtenwaldes, durch den sich mehrere ausgeschilderte, weitgehend naturbelassene Wanderpfade ziehen. Diese nutzen wir am Nachmittag und am frühen Sonntagvormittag ausgiebig und sind dabei immer völlig alleine unterwegs. Gegen Mittag kommt dann der vorhergesagte Dauerregen mit stürmischen Böen und Gewitter, sodass wir es uns für den Rest des Tages mit Spaghetti all’Assassina und einem leckeren Apfelkuchen im Vagabund gemütlich machen. 

Galåbodarna, Schweden
In den Fichtenwäldern von Galåbodarna

Am Montag wachen wir schon früh auf und verlassen das Camp Galå Fjällgård. Bei Börtnans Fjällvattenfisk, einem lokalen Fischgeschäft, kaufen wir ein großes Stück geräucherte Regenbogenforelle aus den umliegenden Gewässern und fahren dann wieder hoch zum Flatruetvägen, wo wir für eine weitere Nacht stehen bleiben. Auch dieses Mal erwandern wir wieder Teile der gigantischen Hochebene, ohne dass wir uns dabei irgend einem bestimmten Ziel auch nur ein bisschen nähern.

Flatruetvägen, Schweden
Kleiner Bergsee auf der Hochebene am Flatruetvägen


In die norwegische Hauptstadt Oslo

Bevor wir am Dienstag, 16.Juni den Parkplatz am Flatruetvägen wieder verlassen, machen wir bei kühlen 6°C eine weitere Wanderung über die faszinierende Hochebene. Wieder im Tal fahren wir durch endlose Wälder, heute sogar oft auf kurvenreichen Straßen bis zu einem ganz besonders schönen Rastplatz im Grünen an einem gewundenen Flüsschen. Hier wandern wir auf teilweise matschigen Pfaden durch den naturbelassenen Wald, in dem wir hinter jedem Hügel einen weiteren schimmernden See entdecken. 

Schweden
In den grünen Urwäldern des mittleren Schwedens

Wasserfall Fjätfallen, Schweden
Ein schmaler Steg führt über den tosenden Wasserfall Fjätfallen

An den beiden nächsten Tagen fahren wir weiter durch das schwedische Grün, vorbei an unzähligen Seen und durch nur wenige kleine Ortschaften. Am Mittwoch übernachten wir noch in Schweden auf einem großen Parkplatz an einem Fluss, in dessen schwarzem Wasser sich die Bäume des gegenüberliegenden Ufers spiegeln. Und am Donnerstag stehen wir in Norwegen am Nergrenda Strand bei Flisa am Fluss Glomma, in dessen Wasser sich die Bäume des gegenüberliegenden Ufers spiegeln. An beiden Plätzen gibt es nicht viel zu tun, dafür können wir bei strahlendem Sonnenschein und sehr angenehmen Temperaturen um 20°C unsere Campingmöbel ausgiebig nutzen. 

Schweden
Sommerstimmung am Stellplatz Transtrandsvägen bei Särna

Norwegen
Bei Flisa sind wir völlig alleine
Oslo, Norwegen
Am Hafen von Oslo

Am Freitag legen wir zügig die letzten Kilometer nach Oslo zurück, wo wir wie schon im vergangenen Herbst einen Platz auf dem Bogstad Campingplatz gebucht haben. Vom Campingplatz kommen wir am Nachmittag mit dem Bus 42 unkompliziert zum Stadtteil Tjuvholmen, der sich in den vergangenen zwanzig Jahren vom Hafenviertel in eine moderne und schicke Wohngegend entwickelt hat. Wir wandern kreuz und quer durch die Innenstadt, die heute bei sommerlichen Temperaturen wunderschön belebt ist und uns richtig viel Spaß macht. 

Das Wetter ist am Samstag etwas bedeckt, es bleibt aber mit gut 20°C angenehm warm und ideal für unsere Wanderung vom Vigelandspark mit seinen einzigartigen Skulpturen, über das königliche Schloss bis zur Promenade von Tjuvholmen. Dort bestaunen wir die außergewöhnliche Architektur genauso wie die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten. Bis zum Nachmittag ist auch der Sommer wieder zurückgekehrt und es fällt uns schon ein bisschen schwer, diese tolle Stadt wieder in Richtung Campingplatz zu verlassen.

Oslo, Norwegen
Blick von Tjuvholmen zum markanten Rathaus von Oslo


Über Kongsberg zum Vegglifjell

Norwegen
Badesee bei der Silbermine von Kongsberg

Am Sonntag brauchen wir erstmal nicht viel mehr als eine Stunde bis zum interessanten Skulpturenpark Kistefos. Auf dem weitläufigen Gelände entdecken wir verschiedenste Exponate, die uns oft durch ihre Kreativität gefallen, uns aber auch manchmal mit fragenden Gesichtern zurücklassen. Von Kistefos fahren wir weiter zum ehemaligen Silberbergwerk bei Kongsberg, wo wir an einem heute sehr belebten Badesee ungestört übernachten können. Zuvor erkunden wir noch die Öffnungszeiten der Mine und kaufen online unsere Tickets für die Fahrt mit der Grubenbahn am nächsten Vormittag. 

Kistefos, Norwegen
Im Kistefos Skulpturenpark

Natürlich stehen wir am Montag kurz vor zehn Uhr pünktlich am Abfahrtspunkt der Grubenbahn und lassen uns unsere Plätze zuweisen. Wir sitzen im zwölften von vierzehn Waggons, in die jeweils acht Personen gequetscht werden können. Zum Glück sind wir nur zu sechst, das ist in den winzigen geschlossenen Wägelchen auch schon ganz schön eng. Vom Bahnhof im Sonnenschein geht es nun heftig ruckelnd und laut scheppernd mehr als zwei Kilometer in den Berg hinein, wofür die Bahn fast eine Viertelstunde benötigt. Wir sind froh, dass wir zu Beginn Ohrstöpsel bekommen haben, mit denen der Lärm der Bahn ganz gut gedämpft wird, und dass wir uns ausreichend warm angezogen haben, um die Zeit in der Mine bei 6°C nicht frieren zu müssen. Vom unterirdischen Bahnhof, der fast 350 Meter unter der Oberfläche liegt, wandern wir mit einer englischsprachigen Führerin durch die Stollen und erfahren von ihr viel interessantes zum Silberbergbau, der hier bis 1958 durchgeführt wurde und der einst der Grund dafür war, dass die Stadt Kongsberg gegründet wurde. 

Silbermine Kongsberg, Norwegen
Einfahrt der Grubenbahn in die Silbermine von Kongsberg

Vegglifjell, Norwegen
Nach einem tollen Tag finden wir einen wunderschönen Platz für die Nacht auf dem Vegglifjell

Zurück in der Sonne machen wir uns bald auf den Weg in nördliche Richtung nach Veggli, wo die kostenpflichtige Bergstraße Vegglifjellveien beginnt. Auf ihr fahren wir durch eine atemberaubend schöne Landschaft bis auf eine Höhe von über tausend Metern, wo wir für die folgende Nacht bleiben. Wir wandern zu verschiedenen Gipfeln in der Umgebung und haben unterwegs eine phantastische Aussicht über das Land. 

Vegglifjell, Norwegen
Blick über das Vegglifjell auf 1000 Meter Höhe

Vegglifjell, Norwegen
Das Vegglifjell gehört zu unseren Favoriten in Norwegen
Vegglifjell, Norwegen
Am frühen Morgen wandern wir noch einmal auf dem wunderschönen Vegglifjell

Durch die Telemark

Aus dem wunderschönen Hochland des Vegglifjell fahren wir am Dienstag, 23.Juni über gewundene Bergstraßen nach Rjukan. Von dieser kleinen Stadt hatten wir vorher nie gehört, obwohl Rjukan seit 2015 als Teil der Industriedenkmalstätte Rjukan-Notodden bei der UNESCO gelistet ist. Hier wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die damals weltweit größten Wasserkraftwerke errichtet, deren Strom zur Herstellung dringend benötigter Kunstdünger eingesetzt wurde. Auch die in diesem Zusammenhang gebauten Arbeitersiedlungen werden von der UNESCO besonders hervorgehoben. Wir stehen auf einem praktischen Platz nahe dem Zentrum und wandern gemütlich durch den Ort mit seinen vielen farbenfrohen Holzhäusern. Dabei sind wir besonders beeindruckt vom riesigen Wasserkraftwerk Såheim, das seit seinem Bau 1915 bis heute in Betrieb ist und deswegen leider nicht von innen besichtigt werden kann. Da Rjukan in einem tief eingeschnittenen Tal liegt, in das zwischen September und März kein Sonnenstrahl seinen Weg findet, wurde 1928 vom Arbeitgeber eine Seilbahn gebaut, mit der die Menschen im Winterhalbjahr in die Sonne fahren konnten. Die Bahn ist leider seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb. Dafür stehen ganz oben am Berg jetzt drei große Spiegel, die im Winter den Marktplatz der Stadt mit Sonnenlicht versorgen. 

Rjukan, Norwegen
Das Wasserkraftwerk Såheim in Rjukan ist bis heute in Betrieb

Am Mittwoch besuchen wir ganz in der Nähe von Rjukan das ehemalige Wasserkraftwerk Vemork, in dem zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges die weltweit größte Menge an Schwerem Wasser produziert wurde. Da befürchtet wurde, dass die Deutschen das Schwere Wasser zur Herstellung einer Atombombe verwenden würden, wurde mit allen Mitteln versucht, sie daran zu hindern. Mehrere Sabotageakte und Angriffe, die letztendlich zur Zerstörung der Anlage und der Bestände an Schwerem Wasser führten, trugen dazu bei, dass Nazideutschland seine Ziele nicht erreichte. Wir staunen vor allem über die riesige Generatorenhalle, in der einige der gigantischen Maschinen noch immer einsatzbereit wären, während vom Schwerwasserkeller und von den Fertigungsanlagen nur noch Trümmer zu erkennen sind. Nach der Besichtigung, bei der wir viel für uns neues gelernt haben, fahren wir durch die engen Serpentinen der spektakulär steilen Bergstraße Tuddalsvegen bis auf eine Höhe von 1100 Metern, wo wir am Parkplatz der Gaustabanen mit einer sagenhaften Aussicht übernachten.

Vemork, Norwegen
Die Maschinenhalle des Kraftwerks Vemork

Norwegen
Berglandschaft unterhalb des Gaustatoppen
Gausta, Norwegen
Der Gaustatoppen überragt alle Gipfel der Umgebung um mehr als 500 Meter

Die Gaustabanen, die auf den Berg Gaustatoppen führen, sind dann auch unser nächstes Abenteuer für den Donnerstag. Pünktlich um zehn Uhr fahren wir mit einer elektrischen Bahn auf horizontaler Strecke 850 Meter tief in den Berg hinein, wo wir in eine steile Standseilbahn umsteigen. Diese bringt uns in endlos scheinender Fahrt mit einer Steigung von 80% bis auf eine Höhe von 1800 Metern hinauf. Von der Bergstation, die sich noch immer tief im Fels befindet, gelangen wir durch einen 110 Meter langen Tunnel wieder ins Freie. Und hier erwartet uns eine unbeschreibliche Aussicht. Überwältigt von diesem Panorama bringen wir die restlichen vierzig Höhenmeter auf einer Steintreppe schnell hinter uns und kommen zur großen, ausgesetzten Plattform. Wie aus dem Flugzeug sehen wir auf Berge und Seen der Umgebung, die hunderte Meter unter uns liegen. Der Blick geht in alle Richtungen weit bis zum Horizont, es heißt, dass man von hier oben ein Sechstel von ganz Norwegen sehen kann und wir sind überzeugt davon, dass das nicht übertrieben ist. Wir sehen auch zahlreiche Wanderer, die den steinigen Aufstieg zum Gaustatoppen auf sich nehmen, wie es aussieht, ist das zwar anstrengend, aber wohl nicht besonders schwierig. Doch zumindest eine Strecke sollte man auf jeden Fall mit der einzigartigen Bahn unternehmen, die Fahrt durch den Tunnel ist ein Erlebnis für sich. Die Gaustabanen wurden in den 1950er Jahren gebaut, um den Tourismus am Gaustatoppen zu fördern, sie wurden aber wegen des Kalten Krieges zunächst geheim gehalten und nur durch Militär und Spionagedienste genutzt. Erst im Jahr 2010 wurde die Bahn für den Publikumsverkehr freigegeben und fährt seither regelmäßig zwischen Ende Mai und Oktober. Wir genießen die atemberaubende Aussicht ausgiebig, bevor wir mit der Bahn durch den Berg wieder ins Tal fahren.

Gaustatoppen, Norwegen
Vom Gaustatoppen haben wir einen Blick wie aus dem Flugzeug

Gaustatoppen, Norwegen
Wunderbare Berglandschaft um den Gaustatoppen
Telemark, Norwegen
Am Telemarkkanal

Jetzt geht es durch eine abwechslungsreiche Landschaft bis nach Lunde, wo wir gleich neben der Schleuse am Telemarkkanal auf einem großen Campingplatz für zwei Nächte bleiben. Inzwischen ist es auch in Norwegen mit fast 30°C sehr warm geworden, sodass wir uns meistens im Schatten unserer Markise aufhalten. 

Telemark, Norwegen
Die Lundeschleuse am Telemarkkanal

Telemark, Norwegen
Bootshafen an der Lundeschleuse

Am Samstag füllen wir unsere Bestände im nahegelegenen Supermarkt und kommen danach gerade rechtzeitig zur Vrangfoss Schleuse, um den gesamten Schleusvorgang des historischen Ausflugsschiffs Victoria verfolgen zu können. Über fünf aufeinander folgende Stufen dauert das ganze Schauspiel etwas länger als eine halbe Stunde. Dabei werden sämtliche Klappen und Tore ausschließlich von Hand betätigt. Nach dieser interessanten Einlage fahren wir über schmale und kurvenreiche Bergstraßen der Telemark bis zum traumhaft idyllischen See Vråvatn, an dessen Ufer der liebevoll gepflegte Stellplatz Heglandsodden liegt. 

Vrangfoss, Telemark, Norwegen
Die Schleusenanlage Vrangfoss

Vagabund, Norwegen
Vagabund am Heglandsodden in der Telemark

Heimreise

Norwegen
Sandstrand am Breidflå See

Für den kommenden Dienstag haben wir inzwischen die Fähre von Kristiansand nach Hirtshals in Dänemark gebucht, so gibt es am Sonntag nichts weiteres zu tun, als durch die Telemark nach Süden in Richtung zum Hafen zu fahren. Wir bleiben etwa sechzig Kilometer vor Kristiansand für zwei Nächte an einem tollen Campingplatz, der auf einer schmalen Halbinsel im Breidflå See liegt. Dort gibt es wunderbare Sandstrände und ein riesengroßes Erdbeerfeld, dessen süße Früchte gerade geerntet werden. 

Telemark, Norwegen
Gespiegelte Berge in der Telemark

Telemark, Norwegen
Toller Badestrand auf der Halbinsel im Breidflå See

Am Dienstag fahren wir nach dem Mittagessen zum Fährhafen von Kristiansand und kommen am frühen Abend pünktlich und entspannt im dänischen Hirtshals an. Wenige Kilometer außerhalb des Ortes übernachten wir auf einem geräumigen Parkplatz fast alleine in ruhiger Umgebung. Von hier ist es am Mittwoch nicht weit bis zum Tranum Campingplatz an der Nordseeküste. Dieser Platz gefällt uns besonders gut, da die einzelnen Parzellen sehr groß sind und hohe Bepflanzung dazwischen sowohl Privatsphäre als auch einen guten Windschutz bietet. Hier bleiben wir für drei Nächte stehen, um einen heftigen Sturm, der über die Nordsee zieht, abzuwarten.

Dänemark
Am befahrbaren Ejstrup Strand in Dänemark

Wir übernachten auf der folgenden Strecke in Hvide Sande, wo wir auf einem sehr großen Platz direkt am Ringkøbing Fjord stehen. Direkt nebenan versorgt uns am Sonntagmorgen der lokale Fischhändler mit verschiedenen Leckereien für die nächsten Tage. Nach einem letzten Stopp in Dänemark, den wir nahe der Grenze auf einem abgelegenen und sehr idyllischen Hof einlegen, geht es über Lübeck und den Harz wieder nach Hause, wo wir am Mittwoch, den 8.Juli nach 95 Tagen und 9169 gefahrenen Kilometern ankommen.

Dänemark
Idyllischer privater Stellplatz Wittegaard nahe der deutschen Grenze


Karte unserer Reise

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Kontraste im Süden von Schweden und Norwegen